Augenarzt Dr. Dunker

Zeit für Leben.

Klinik für Tinnitus

Tinnitus

Tinnitus - ein häufig auftretendes Phänomen

Tinnitus (ein Geräusch wie Pfeifen / Brummen / Zischen / Knacken / Klopfen) als Hör-Empfindung und -Erfahrung ist ein außerordentlich häufig auftretendes Phänomen. Man schätzt, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung irgendwann davon betroffen ist. Meist handelt es sich um kurzzeitig auftretende Hör-Erfahrungen, denen kein besonderer Krankheitswert zukommt. Bei einer kleinen Gruppe von Betroffenen allerdings ist die Intensität und Dauer dieser Hör-Erfahrungen derart ausgeprägt, dass sie (in der Regel) den HNO-Arzt oder sogar eine Notaufnahme-Station eines Krankenhauses aufsuchen, um sich diagnostizieren und behandeln zu lassen.

Wie entsteht Tinnitus?

Die Ursachen für einen Tinnitus sind vielfältiger Natur, und deshalb tut bi-perspektivische Simultandiagnostik (in biomedizinischer wie auch psychosozialer Dimension) Not. Biomedizinisch muss ursächlich an einen Hörsturz gedacht werden, oder aber auch Durchblutungsstörungen, eine Mittelohrentzündung, an Altersschwerhörigkeit oder an tumoröse Veränderungen. Des Weiteren können Probleme der Hals-Wirbelsäule, des Kiefergelenks oder manche Medikamente ebenfalls Ohrgeräusche hervorrufen. Häufig ist Lärm der Grund für den Tinnitus, sei es ein Knalltrauma durch einen Gewehrschuss oder Silvesterknaller, oder aber laute Musik in einer Diskothek. Daneben dürfen bei der Diagnostik auch psychosoziale Aspekte (akuter oder chronischer Distress, massive Belastungs-Situationen, heftige Affekte, entschiedener Rückzug etc.) nicht außer Acht gelassen werden.

Psychophysiologisch nimmt man an, dass es auf der kognitiven Ebene (Wahrnehmungsebene) des Gehirns zu spezifischen Lernprozessen kommt, die einer kognitiven Sensibilisierung ähneln. Die kognitive Sensibilisierung kann so starke Ausprägungen annehmen, dass sie zu einer zunehmenden Abkopplung der Tinnitus-Wahrnehmung vom Innenohr beitragen kann.

Welche Untersuchungen sind bei Tinnitus angebracht?

Sobald grundlos ungewöhnliche Geräusche wie Pfeifen, Brummen, Rauschen, Knistern oder Knacken im Ohr auftreten, die fünfzehn Minuten bis zwei oder drei Stunden andauern, sollte man gezielt einen HNO-Arzt aufsuchen. Allerspätestens sollte das nach zwei bis drei Tagen geschehen, da im akuten Fall prognostisch günstigere Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Dauert ein Tinnitus drei Monate oder länger an, ist er chronisch geworden. Dabei nehmen die Möglichkeiten, das Symptom wieder zu verlieren, mit der Zeit ab.

Bei Tinnitus (als Krankheitsgeschehen) darf eine ausführliche HNO-ärztliche Diagnostik sowie eine biomedizinische Umfeld-Diagnostik erfolgen
(bis hin zum Röntgen der Halswirbelsäule / zur Untersuchung der Hals-Arterien / zu einer MRT des Kopfes). Des Weiteren sind oftmals neurologische und zahnärztliche Konsil-Untersuchungen sinnvoll. Parallel oder aber sequentiell dazu darf eine ebenso ausführliche psychosoziale Diagnostik
(Stress-Level / Bewältigungs-Strategien / Krankheitsverarbeitung etc.) durchgeführt werden.

Tinnitus wird je nach subjektiv empfundener Beeinträchtigung in vier Schweregrade unterteilt
(Grad-Einteilung nach Biesinger / mit Tinnitus-Fragebogen evaluiert nach Goebel und Hiller).
Diese Grad-Einteilung sieht folgende Abstufung vor:

Grad 1: Der Tinnitus ist gut kompensiert, kein Leidensdruck.
Grad 2: Der Tinnitus tritt hauptsächlich in Stille in Erscheinung und wirkt störend bei Stress und Belastungen.
Grad 3: Der Tinnitus führt zu einer dauernden emotionalen, kognitiven und / oder körperlichen Beeinträchtigung im privaten und beruflichen Bereich.
Grad 4: Der Tinnitus führt zur völligen Dekompensation im privaten Bereich und / oder Berufsunfähigkeit.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt bei Tinnitus?

Insbesondere bei Tinnitus Grad 3 und 4 ist eine Behandlung indiziert. Bei akut aufgetretenem Tinnitus gibt man zunächst durchblutungsfördernde Medikamente, die sich auch als Infusionstherapie bewährt haben. Je nach diagnostizierter Grunderkrankung kommen eventuell weitere Medikamente zur Anwendung – so gibt man beispielsweise Cortison, wenn ein Hörsturz vorliegt; dies führt zum Abschwellen der Gefäßwände.

Da die meisten Betroffenen aufgrund des (chronischen) Tinnitus unter starker Anspannung leiden, bewährt sich bei ihnen die so genannte Progressive Muskelrelaxation, die man bei vielen HNO-Ärzten auch ambulant erlernen kann. Autogenes Training empfinden manche Patienten dagegen als belastend. Allerdings ist das, was als anspannend und entspannend empfunden wird, individuell sehr verschieden und muss auf jeden Patienten neu abgestimmt werden.

Als außerordentlich hilfreich bei der Behandlung vieler (nicht aller!) Tinnitus-Patienten hat sich die musiktherapeutische Intervention auf der Klangliege oder auf dem Klangstuhl erwiesen. Beide Verfahren kommen im Klinikum Schloss Lütgenhof zur Anwendung und werden dort mit anderen körperzentrierten Entspannungs- und Therapieverfahren (z.B. kreativtherapeutische Angebote wie Kunst- / Biblio- / Foto- / Theater-Therapie) kombiniert.

Wenn Blockierungen im Bereich der Halswirbelsäule oder Muskelfunktionsstörungen dem Tinnitus zugrunde liegen, steht die physikalische Therapie im Vordergrund. Zunächst müssen die Muskeln durch Massage und Wärme weich und geschmeidig werden; danach können durch eine gezielte manuelle Therapie die Blockierungen beseitigt werden. Sind Stress und Anspannung Ursache des Ohrgeräusches, können diese physikalischen Anwendungen sehr gut die Entspannungstechniken unterstützen. Ergänzend kann mit Sport-Therapie die verspannte Muskulatur (z.B. im Schultergürtel-Bereich) gelockert werden. Insgesamt führt Sport zu einer besseren Kondition und damit oftmals zu einem besseren Umgang mit dem Tinnitus (Krankheitsverarbeitung).

In vielen Fällen ist neben einer biomedizinischen und körperzentrierten Behandlung auch Psychotherapie angebracht (z.B. Tinnitus-spezifische kognitive Verhaltenstherapie im Einzel- oder Gruppendesign mit validiertem Therapiemanual nach Kröner-Herwig, 1997), um über einen längeren Zeitraum hinweg bestimmte psychosoziale Belastungsfaktoren oder Erkrankungen, die daraufhin entstanden sind, zu erkennen und zu behandeln. Sind zum Beispiel Depressionen die Folge des Ohrgeräusches, kann man sowohl medikamentös als auch psychotherapeutisch vorgehen. Oftmals behandelt man mittels Psychotherapie die Tinnitus-Erkrankung nicht direkt, wohl aber die Art und Weise, wie mit dem Symptom umgegangen und trotz des häufig über Jahre quälenden Geräusches Lebensmut und eine ausgeglichene Stimmung aufrechterhalten werden kann.

Laura Zimmermann, Patientenmanagement
Bei Fragen zu unseren Leistungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und nehmen uns Zeit für eine diskrete Beratung.

Laura Zimmermann, Patientenmanagement